Haltungsbedingungen

Kornnattern

Pantherophis guttatus


Hier findet ihr die Top 10 Infos, die man unbedingt wissen muss, BEVOR eine Kornnatter als Mitbewohner einziehen kann.

1.)

Biologie und Verhalten


Kornnattern stammen aus dem südöstlichen Teil der USA. Ihr taxonomischer Name ist Pantherophis guttatus.

Sie erreichen eine Länge von durchschnittlich 110-130cm. Generell sind Kornnattern umgänglich und gut händelbar.

Aber als Wildtiere können sie auch Temperament zeigen und sind keine Kuscheltiere! Sie klettern und graben meist gerne und sind dämmerungs- und nachtaktiv.

Kornattern können bei guter Pflege über 15 Jahre alt werden. Winterruhe ist förderlich, aber kein Muss.


2.)

Terrarium


Als Terrarien-Endgrösse für ein Tier mit 120cm Körperlänge ist ein Mindestmass von 120cm x 60cm x 80cm erforderlich. Wir halten unsere adulten Tiere bei 150 x 70 x 100cm. Die Höhe sollte bei mindestens 80cm liegen, um genug Klettermöglichkeiten zur Verfügung stellen zu können. Das Terrarium sollte mit dem Tier mitwachsen. Um die Anschaffung mehrerer Terrarien während der Aufzucht zu umgehen kann für Baby-Kornnattern für die ersten Monate eine Fauna-Box schön eingerichtet und für Licht und Wärme ins spätere Endterrarium gestellt werden.

Grabfähiger Boden (ungedüngte Erde, etc.) wird meist sehr gerne angenommen.

Eine Bademöglichkeit ist nicht notwendig, da Kornnattern nur in Ausnahmefällen baden (falsche Haltung, Milben).


3.)

Temperatur und Luftfeuchte


Als Tagestemperatur empfehlen wir 25 bis 29°C, nachts dürfen die Temperaturen auf 22-23 Grad absinken, im Winter auch darunter. Die Luftfeuchtigkeit sollte etwa 60% betragen (nachts gerne etwas mehr). Es muss kein Feuchtterrarium sein, im Gegenteil, anhaltend zu hohe Feuchtigkeit kann zu Lungenentzündungen führen. Mit gutem Bodengrund kann die nötige Luftfeuchtigkeit mit 1-2 mal wöchentlich sprühen gehalten werden. Wetboxen mit feuchtem Moos gefüllt werden gerne angenommen, vor allem in der Häutung.


4.)

Fütterung


Kornnattern fressen meist problemlos aufgetaute Frostmäuse der passenden Grösse. Durch Anwärmen des Futters (Fön, heisses Wasser) kann die Akzeptanz gesteigert werden. Nach der Fütterung sollten die Tiere unbedingt für einige Tage in Ruhe gelassen werden. Beginnen die Tiere, wieder aktiv zu werden, kann man sie wieder händeln und bald wieder Futter anbieten. Als Anhaltspunkt für die Grösse des Futtertieres empfehlen wir: Das Futtertier darf ca. 10-15% des Gewichtes der Kornnatter haben. Bei einem 100g schweren Tier bedeutet das eine Maus mit 10-15g Gewicht.


5.)

Paarung / Vergesell-schaftung ?


Dies ist eines der wichtigsten Themen überhaupt, Fehler können tödlich für das Tier enden!

Kornnattern sind wie alle Schlangen keine sozialen Tiere. Sie können gut als Einzelgänger leben, ohne sich einsam zu fühlen. Wenn sie zusammen in Höhlen liegen, liegt das daran, dass dies momentan der beste Platz im Terrarium ist, und enge Plätze sind sehr beliebt.

Eine dauerhafte Vergesellschaftung darf nie in Paaren erfolgen. Männchen sind eher geschlechtsreif als Weibchen und fangen schon mit 100-150g an, aktiv zu werden. Paarungen können auch stattfinden, ohne dass der Halter je etwas bemerkt, zu jeder Jahreszeit. Ein Weibchen der gleichen Grösse hat allerdings auf keine Fall die Masse und Reife, ein Gelege selbstständig abzulegen. Eine Legenot ist oft vorprogrammiert, bei dieser ist eine OP oft die letzte Rettung. Zudem kann das Bedrängen durch das Männchen zu Stress, Schwächung des Immunsystems und damit Ausbrechen von Krankheiten bis hin zum Tod führen.

Wenn Vergesellschaftung, dann bitte gleichgrosse Tiere (Weibchen!) in einem ausreichend grossen Terrarium UND bei strikt getrennter Fütterung! Gruppen von Männchen können funktionieren, sind aber riskanter, da es zu Kommentkämpfen und eben wieder Stress kommen kann.

Für eine Verpaarung sollten Weibchen übrigens mindestens 300g wiegen, sowie gesund und gut genährt sein.


6.)

Häutung


Kornnattern häuten sich im Wachstum alle 4-8 Wochen, später dann noch wenige Male im Jahr.

Erst wird das Tier inaktiv und verkriecht sich komplett. Eine Trübung der Schuppen tritt ein, die besonders an den Augen gut zu sehen ist. Dies passiert, da Wasser zwischen die oberen beiden Hautschichten gepumpt wird, um die oberste Schicht zu lösen. Nach einigen Tagen verschwindet diese Trübung wieder, das Wasser wird wieder aufgenommen. Erst wenn das Tier wieder fast normal aussieht, erfolgt 1-2 Tage später die Abstreifung der Haut. Also nicht nervös werden, wenn man nicht gleich das Natternhemd im Terrarium findet!

Eben weil dieser Prozess den Wasserhaushalt des Tieres stark beansprucht, füttern wir nicht. Das Verdauen benötigt auch Wasser, und ein gleichzeitiges Füttern kann sowohl eine Fetzenhaut, als auch das Auswürgen von Futtertieren zur Folge haben. Selbst kleine Nattern überstehen die Futterpause ohne Probleme.

Eine normale Häutung in einem Stück ist ein Anzeichen für ein gesundes Tier und passende Werte im Terrarium. Sollte doch mal eine Häutung in Fetzen passieren, bitte die Luftfeuchtigkeit erhöhen, ggf. eine Wetbox mit feuchtem Moos anbieten und eventuelle Reste vorsichtig entfernen. Oft hilft, die Kornnatter mit leichtem Druck durch ein feuchtes Zewa kriechen zu lassen. Hautteile, die nicht entfernt werden, können zu Pilzinfektionen und Absterben von Haut führen (z.B. an der Schwanzspitze).


7.)

Krankheiten


Auch wenn man es sich nicht wünscht, kann es immer passieren, dass eine Kornnatter krank wird.

Zu den häufigsten Problemen gehören Legenot, Infektionen durch Einzeller oder Befall durch Parasiten und Würmer, Maul- oder Lungenentzündungen sowie Cryptosporidien. Im Normalfall sollte man 1-2 Mal im Jahr eine frische Kotprobe einschicken (z.B. an die Uni Zürich oder beim Tierarzt abgeben), um zu kontrollieren, dass das Tier gesund ist. Mit der Zeit lernt man seine Tiere kennen und gewöhnt sich an ihre Verhaltensweisen. Wenn sich das Tier komisch verhält, sollten die Alarmglocken schrillen.

Breiiger, stinkender Kot, Auswürgen von Futtertieren, wochenlange Inaktivität, plötzliche Aggressivität, schlechte Häutung, häufiges Baden, ein offenes Maul und lautes Atemgeräusch sind sehr wahrscheinlich Anzeichen für Krankheiten.

In diesem Fall gilt: Je schneller man handelt, desto besser!


8.)

Kauf


Nachdem man sich gründlich informiert hat, soll nun der neue Mitbewohner einziehen. Doch auch der Kauf selbst sollte gut überlegt sein.

Tiere in Zooläden werden oft unter fragwürdigen Bedingungen massenweise eingekauft, ständig von Interessenten angefasst und sind dadurch oft sehr gestresst (mal von Keimen abgesehen!). Der Ursprung und die Hintergründe der Tiere sind oft unbekannt, und meist endet die oft nicht ausreichende Beratung mit dem Gang aus der Tür. Auch die Preise dort sind viel höher als bei einem Züchter. Daher raten wir eindrücklich davor ab, so leid einem die Tiere in extremen Fällen auch tun, auf sie folgen die nächsten armen Kreaturen.

Auch Börsen sollten nicht der Ort sein, an dem man so ein Tier kauft. Wir treten bei uns im Heimatort auf der TerraExpo als Aussteller auf. Aber wir möchten dort die Tiere eigentlich nicht direkt verkaufen. Wenn jemand Interesse hat, laden wir ihn ein, sich bei uns die Elterntiere, die Bedingungen und die Hintergründe anzuschauen. Wir zeigen Terrarien und geben Beratung, auch noch Jahre nach dem Kauf!  Dieses Konzept hat sich mittlerweile bewährt. Auf Börsen weiss man nie, an wen man gerät, ob die Tiere gesund sind und ob man danach jemals wieder vom Verkäufer hört, wenn man Fragen hat.

Daher unsere Empfehlung: Kauft bei einem (Hobby-)Züchter direkt, fahrt zu ihm nach Hause, schaut euch an, wie sauber und schön die Terrarien sind, wie fit die Elterntiere wirken, wie auf Fragen eingegangen wird. So eine Kornnatter kann 15 Jahre alt werden. Da sollte es diesen Aufwand doch wert sein!


9.) Farbvarianten


Einer der Gründe, warum Kornnattern so beliebt sind, ist ihre Farbenvielfalt. Mittlerweile gibt es einige Hundert Farbvarianten, die nur noch der Profi auseinanderhalten kann. Von komplett rot über gelb mit orangen Punkten bis hin zu silbergrau gibt es fast alles. Bei uns könnt ihr einige Beispiele sehen. Die meisten Farben werden rezessiv vererbt. Das heisst, dass in einem Tier unsichtbar viele Überraschungen stecken können! Bei einer Verpaarung sollte man sich hiermit beschäftigen, welche Farben schlüpfen können. Die 3 wichtigsten Grundsteine bei Kornnattern sind Erythrin (Rot), Melanin (Schwarz) und Xanthin (Gelb). Amelanistisch bedeutet, dass das Tier keinen schwarzen Farbstoff hat (also rote Augen, rot-weiss-gelbe Zeichnung). Hypomelanistisch bedeutet "wenig Schwarz". Anerythristische Tiere sind grau, bekommen teilweise mit dem Alter aber gelbe Flanken. Begriffe wie nominat, Red Albino und Black Albino sind falsch. Wer mehr zu diesem schier unerschöpflichen Thema wissen will, kann sich gerne melden!


10.)

Stargazer


Dieses Thema ist besonders wichtig für mich, in der Schweiz wurde es bisher so gut wie gar nicht beachtet und kann doch so böse Folgen haben. Stargazer ist der Name eines rezessiv vererbbaren neurologischen Defekts. Ich habe diesem Problem eine eigene Seite gewidmet. Zunächst zusammen mit der Farbvariante Sunkissed aufgetreten, findet man mittlerweile überall Gelege, aus denen Stargazer schlüpfen. Ein wirklich trauriger Anblick, glaubt es mir!

Mehr dazu findet ihr HIER.




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